Christina: 31 Jahre | Ihr Baby Johanna: Im September knapp 16 Monate

Stillen oder nicht Stillen, das ist hier die Frage...

Meine Erfahrungen und Eindrücke und wie wir unseren besten Weg gefunden haben

 

Stillen oder nicht? Stellt sich diese Frage überhaupt? Und wenn ja, wer stellt sie? Wer darf sie stellen? Und wer findet seine eigene Antwort dazu?

Christina erzählt uns ihre (Leidens-)Geschichte. Und ja, genau das war es auch. Für Christina und ihr Baby Johanna war die Kennenlernzeit nach der Geburt eine kleine Herausforderung. Christina erzählt uns in den folgenen Zeilen von ihrem sehnlichen Wunsch das eigene Baby mit der Brust ernähren zu können, von Schmerzen, vom Scheitern, vom Eingestehen und davon, wie sie letztendlich ihren richtigen Weg gefunden hat. Den besten Weg für sie und ihr Baby - welches natürlich nur das Beste verdient. Aber wer definiert genau das? Weiß eine Mama nicht selbst, was das Beste für ihr Baby und sich selber ist? Christina hat es herausfinden müssen und das erzählt sie uns jetzt...

„Im Mai letzten Jahres war’s soweit, Johanna dachte ‚es ist Reisezeit!‘ “

So begann vor knapp 16 Monaten unser gemeinsames Abenteuer zu dritt. Von den Erfahrungen, die wir bis hierher gemeinsam gemacht haben und jeden Tag neu machen, werde ich euch hier berichten. Wir – das sind Johanna (16 Monate), mein Mann Bernhard (33 Jahre) und ich, Christina (31 Jahre).

Kommt mit!

"Klar möchte ich stillen - was sonst?"

Zu Beginn gleich das Thema, mit dem auch mein erster Besuch bei meiner Hebamme damals begonnen hat: „Möchtest du stillen?“

Das fragte sie mich, nachdem die ersten Formalitäten geklärt waren und das ist sicherlich auch eine der Fragen, die sich junge Mütter im Laufe der Schwangerschaft mehrfach stellen. Meine damalige Antwort war „Ja, natürlich!“ und auch die Teilnehmerinnen im Geburtsvorbereitungskurs unmittelbar vor dem lang ersehnten Geburtstermin waren sich da einig, dass sie alle stillen und somit das Beste für ihr Kind wollen. In meinem Eifer und der Vorfreude besuchte ich einen Zusatzkurs zum Thema Stillen, den meine Hebamme in Begleitung einer Stillberaterin an einem Samstag anbot. Hier wurden noch einmal alle Vorteile dargestellt, die das Stillen hat. Begonnen von der innigen Bindung, die Mutter und Kind aufbauen, über die genau auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes abgestimmte Zusammensetzung der Milch, bis hin zu pragmatischen Gründen wie, dass das Stillen einfach günstiger ist als Flaschennahrung. Hier wurde ich erneut bestärkt in meiner Entscheidung.

 

Gebrüllt, gestillt und zugefüttert

Dann kam allerdings die erste Nacht und Johanna brüllte und brüllte – vermutlich weil einfach noch nicht genug Milch da war. Der Milcheinschuss setzt meist erst einige Tage nach der Geburt ein, sodass gerade am Anfang die Kleinen häufig angelegt werden sollten, um überhaupt genug zu sich zu nehmen. Auch ein Stillhütchen wurde mir gegeben, sodass Johanna in den ersten Tagen leichter die Brust zu fassen bekommen konnte. Als Johanna dann allerdings an Tag 3 (meiner Entlassung) auch noch gelb wurde durch das Bilirubin, empfahl mir meine daheim betreuende Hebamme, dass ich doch etwas mit der Flasche zufüttern sollte, zumindest für die nächsten Tage. Nur durch Nahrung – nicht durch Wasser – baut sich das Bilirubin über den Stuhlgang ab. Also gesagt, getan: Johanna bekam ihr erstes Fläschchen.

Fläschchen? Fläschchen!

Unsere Hebamme empfahl uns einen möglichst der Brust nachempfundenen Sauger, um Saugverwirrungen zu vermeiden. Speziell empfohlen hat sie uns die Flaschen von Lansinoh, da diese neben der Sauger-Brustähnlichkeit auch noch eher langsam die Milch abgeben und das Baby sich auch „anstrengend“ muss. Zudem hat sich unsere Kleine weniger häufig verschluckt, was gerade am Anfang bei den ganz kleinen Winzlingen noch ein Thema ist.

 

Ja, es war eine sehr große Herausforderung - aber wir haben uns nicht entmutigen lassen...

und das solltest du auch nicht, falls du gerade in derselben fast aussichtslosen Situation steckst. Ganz vielen Neu-Mamis geht es so - das weiß ich jetzt. Nur wenige reden darüber, da es für viele eine Art des "Versagens" ist. Für mich ist es das aber nicht - wir haben unseren besten Weg gefunden. Und den findest du ganz bestimmt für dich und dein Baby auch!

Lies' gerne weiter, wenn du wissen willst, mit welchen Wehwehchen wir noch fertig werden mussten 😊

Problemhobbing - schon einmal gehört? Nein? Dann lest ruhig selber, wie wir uns vom einen zum nächsten Problem hangelten:

Neben diesem Problem zeigte sich kurz darauf ein weiteres: auch nach dem Milcheinschuss, der bei mir so um den 5./6. Tag kam, schien Johanna immer noch nicht richtig zu trinken. Sie schlief regelmäßig dabei an der Brust ein, weshalb diese nie „leer“ war und es zu einem ersten Milchstau kam. Schmerzen, mitten in der Nacht, ließen mich meine Hebamme erneut kontaktieren, die mir dazu riet, „sofort abzupumpen“.  Abpumpen?! Womit? Woher jetzt so schnell eine Milchpumpe holen? Im Vorbereitungskurs wie auch im Stillkurs wurde von den einfachen Handpumpen abgeraten und dass es die Möglichkeit gibt, elektrische Pumpen per Rezept in der Apotheke zu leihen, das wurde nie erwähnt. Dieses Unwissen löste jetzt bei mir und meinem Mann dann knapp eine Woche nach der Geburt massiven Stress aus, denn obwohl wir in einer städtischen Gegend wohnen und es ausreichend Apotheken in der Nähe gibt, hatte keine eine zur sofortigen Verfügung. Letztendlich konnte ich mir dann eine von meiner Hebamme kurzfristig leihen und bekam ein paar Tage darauf auch eine per Rezept aus einer Apotheke. Aber hier sei allen geraten: informiert euch frühzeitig vor der Geburt, ob die Apotheken in der Nähe Milchpumpen zu verleihen haben und ob um den Geburtstermin herum noch welche verfügbar sind.

Schmerz lass' nach - oder auch nicht!

Durch das Abpumpen konnte ich hier eine Brustentzündung (erstmal!) verhindern, welche sehr schnell nach einem Milchstau auftreten kann. Ich legte Johanna immer zuerst an die Brust und pumpte danach noch die restliche Milch ab, was an sich für mich eine gute Lösung darstellte. Das lief auch von meinem Empfinden damals her soweit ganz gut, selbst wenn das Abpumpen doch etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Trotz allem schien dann die Milch weiterhin eher nur knapp zu reichen, sodass ich weiterhin immer etwas mit dem Fläschchen zufütterte. Meine Hebamme empfahl mir noch einen „Lactashake“, ein Pulver für die Frau, welches die Milchmenge steigern soll. War sehr lecker, aber ob es geholfen hat, oder es die verstreichende Zeit war, kann ich so nicht beurteilen. Jedenfalls bahnte sich etwa drei Wochen nach der Geburt dann der nächste Milchstau an. Woher der kam, konnte mir meine Hebamme auch nicht erklären, denn mein Rhythmus mit Anlegen und Abpumpen schien an sich gegeben. Es war jedenfalls wieder dasselbe Gefühl, schmerzende, anschwellende Brust und dieses Mal kam auch gleich noch Fieber mit dazu. Eine beginnende Brustentzündung.

Mir wurde direkt Antibiotika verschrieben. Zu dem Krankheitsgefühl hinzu kam noch die Schwäche von der Geburt und zudem Gefühle zu versagen, da ich es scheinbar nicht schaffte mein Baby richtig satt zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass es doch bei allen anderen scheinbar auch funktioniert, warum dann bei mir nicht? Und was ist denn daran so schwer?

Möglicherweise war es der Druck, den ich mir vorher selbst gemacht hatte und der auch heutzutage meines Empfindens nach von allen Seiten auf junge Mütter einwirkt. Überall liest man, dass Stillen „das Beste“ sei, jede Mutter möchte Stillen und baut damit auch wieder Stress gegenüber anderen Schwangeren auf. Positive Bilder von friedlich an der Brust nuckelnden und schlummernden Babys erzeugen positive Vorstellungen und Erwartungen. Klar wird eine mögliche Brustentzündung mal erwähnt, aber das trifft doch nicht auf mich zu… oder?

Das funktioniert doch bei allen anderen auch, warum dann bei mir nicht?

Bei mir war es dann so, dass ich nach Beendigung der Antibiotika-Einnahme noch einmal einen Versuch gestartet habe, allerdings nach knapp 7 Wochen aufgegeben habe. Mein erstes Gefühl war dabei Enttäuschung, aber schon kurz darauf ging es mir deutlich besser. Körperlich ging es bergauf und auch emotional hatte ich das Gefühl, mich nun vollkommen auf unsere Kleine konzentrieren zu können und mich nicht mit der Bedienung von Milchpumpen und der Behandlung von Milchstaus beschäftigen zu müssen. Beruhigt wurde ich zudem von meinem Kinderarzt, der mir versicherte, dass es aus medizinischer Sicht auf die ersten beiden Wochen ankäme, da in dieser Zeit die Besiedlung des Darms mit Bakterien stattfinden würde. Deshalb sei auch das Kolostrum, die „Vormilch“ der ersten Tage, so besonders wichtig. Danach sei es sicherlich weiterhin richtig und auch gut, da die Muttermilch absolut einzigartig in ihrer Zusammensetzung auf das jeweilige Baby abgestimmt ist, allerdings müsse ich mich nicht selbst unter Druck setzen, da auch die heutigen Milchnahrungen sehr gut zusammengesetzt sind.

Bin ich das Problem? Oder ist es die Gesellschaft?

Er meinte, dass es immer dann problematisch wird „wenn es religiös wird“ und das ist es dann, wenn man schief angeschaut wird, weil man seinem Baby ein Fläschchen gibt. Ich habe es zu Beginn nämlich gerade so wahrgenommen, dass man eher fragend angeschaut wurde, wenn man das Fläschchen gezückt hat und nicht, wenn man sich etwas abseits zum stillen hingesetzt hat. Die Gesellschaft – besonders die jüngere Generation – scheint das eher zu akzeptieren, als künstlich hergestellte Säuglingsnahrung, so mein Eindruck. Aber ganz nebenbei… ich selbst wurde auch mit dem Fläschchen ernährt und bin erwachsen geworden.

Mein Fazit nach meinen Erfahrungen mit dem Stillen:

Es ist ganz sicher das Beste für das Kind, da die Muttermilch individuell in ihrer Menge und Zusammensetzung auf das Baby abgestimmt ist und Substanzen enthält, die nicht künstlich nachgeahmt werden können. Zudem ist es ein wunderbares Gefühl und fördert sicherlich auch den Start in eine gelungene Bindung zwischen Mutter und Baby. Weiterhin ist es so, dass zum Stillen nur ganz wenige Dinge (eine Milchpumpe, einige Still-BHs, eine Brustwarzensalbe und zu Beginn Stilleinlagen) benötigt werden und die Milch selbst ist dabei vollkommen kostenlos (sicherlich für manche auch ein wichtiges Argument).

Aber gerade aus diesem Grund, diese wenigen Dinge und dass es so „einfach“ erscheint, unterschätzen doch einige das Stillen in seiner Komplexität. Ich ernähre Johanna jetzt etwas über ein Jahr mit Milchnahrung aus dem Fläschchen bzw. jetzt bereits aus der Tasse und mir persönlich erscheint es einfacher als das Stillen zu Beginn. Ich habe mir auch immer ganz besonders Zeit genommen, sie jedes Mal im Arm gehalten wenn sie getrunken hat und zudem konnte jetzt auch mein Mann sich aktiver beteiligen und selbst füttern. Er hat mich auch während der ersten Wochen des Stillens auf unvergleichliche Weise umsorgt und unterstützt, allerdings hat er selbst gesagt, er hat sich dabei doch immer eher passiv bzw. als ich beispielsweise Fieber bekommen habe auch hilflos gefühlt.

Beim nächsten Kind werde ich wieder versuchen zu Stillen, weil ich weiterhin davon überzeugt bin, dass es „das Beste“ ist. Allerdings werde ich die Sache dann entspannter auf mich zukommen lassen und wenn es nicht klappen sollte, naja, dann weiß ich jetzt, dass auch ein Fläschchen gut funktioniert.

 

Von Herzen, eure Christina

 


 

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