Hannes: 31 Jahre | Sein Baby Niklas: Im Sommer 1 Jahr

Vom Profisportler zum Profipapa

Ein Wettkampf um jede Papa-Sohn-Minute

 

Profisport und Baby? Schließt sich das nicht aus?

Profisport und Babys sind ein Thema, bei dem erfahrungsgemäß wenige Menschen direkt mitreden können. Vermutlich, weil die meisten Profisportler eher jung und daher die meisten noch nicht in der Elternrolle stecken. Für Hannes als Leistungssportler ist das „Vater sein“ eine neue Herausforderung, aber er fühlt sich in dieser neuen Rolle eigentlcih ziemlich wohl.

Aber lest selbst…

Hallo,

ich bin Hannes! Ich bin 31 Jahre alt und liebe es reißende Ströme hinterzupaddeln. Ich bin Profikanute und seit einem Jahr Papa.

Mein Leben ist alles andere als gewöhnlich. Die meiste Zeit reise ich von Wettkampf zu Wettkampf und versuche dabei noch so viel Zeit wie möglich mit meiner kleinen Familie zu verbringen.

Da kommt es schon ab und zu einma vor, dass ich meine Familie einfach mit einpacke - zum Trainingslager in Australien zum Beispiel.

Aber bevor ich zuviel vorwegnehme: So ein Profisportler-Papa-Alltag ist schon etwas außergewöhnliches :) 

Die Zeit vor der Geburt - Olympia kann kommen

Im Sommer 2019 haben Leni und ich einen kleinen Niklas bekommen. Als hauptberuflicher Leistungssportler (Kanuslalom) war bereits die Schwangerschaft von Leni eine besondere Situation für mich. Denn schon vor der Geburt ging es damit los, dass auf einmal alles komplizierter wurde, denn als Sportler bin ich normalerweise sehr viel unterwegs. Je nachdem, wie Wettkämpfe und Trainingslager über die Saison verteilt sind, kommt man dabei meist auf 150-200 Reisetage im Jahr.

Nach über 10 Jahren an der Weltspitze gehören für mich die vielen Reisetage natürlich zur Routine, die Aufregung und der Stress vor jedem Wettkampf bleiben aber trotzdem unverändert. Der Sommer war für mich deshalb nicht nur wegen der Geburt unseres ersten Kindes ein besonderer, sondern auch sportlich gesehen sehr wichtig, da zu diesem Zeitpunkt die Qualifikationswettkämpfe für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 stattfanden (dass ein Jahr später Aufgrund von Corona alles anders kam, konnte ja damals noch niemand ahnen)

 

Krank oder frisch gebackener Papa - der Konkurrenz ist das egal

So schön Leistungssport auch sein mag, in dieser Situation war ich mit dem knallharten Leistungsgedanken konfrontiert. Natürlich besteht auch als Profisportler die Möglichkeit, Wettkämpfe und Trainingslager abzusagen. Man wird ja zu nichts gezwungen. In diesem Fall hätte es aber den Verzicht auf die Olympischen Spiele bzw. die Qualifikation dafür bedeutet. Denn der Konkurrenz ist es schließlich egal, ob ich am Wettkampftag krank bin, eine schlechte Leistung abliefere oder eben bei der Geburt meines Kindes dabei sein will – am Ende zählt nur das Ergebnis.

 

Schließlich will ich nicht nur ein guter Sportler, sondern auch ein guter Vater sein

Mit diesem Wissen war für mich von Anfang an klar, dass es nicht leicht werden wird, sowohl dem Sport als auch dem Kind gerecht zu werden und am Tag der Geburt bei ihm sein zu können. Schließlich will ich ja nicht nur ein guter Sportler, sondern auch ein guter Vater sein. Ich versuchte also während der Trainingslager immer abreisebereit zu sein, falls sich abzeichnete, dass der kleine Niklas bald kommen würde.

Und wie soll es auch anders sein...

So kam es dann auch tatsächlich dazu, dass ich während eines Trainingslagers kurzfristig abreisen musste, da es endlich so weit war. Auch wenn es eine nervenaufreibende Heimreise war, so war Ich doch sehr glücklich den ersten Tag mit dem kleinen Niklas von der ersten Windel an mitzuerleben.

Die größte Erleichterung war allerdings, dass sowohl Kind als auch Mutter nach der Geburt gesund und munter waren.

 

Auch wenn nur kurz, es war es sowas von wert!

Bereits am nächsten Morgen musste ich die nächste Reise zurück ins Trainingslager antreten, um mich auf die Olympiaqualifikation vorzubereiten. Trotzdem war ich sehr froh, dass sich der kleine Niklas dazu entschieden hat während meines Trainingslagers zu kommen und nicht während eines Wettkampfes. Somit musste ich glücklicherweise keine Entscheidung für die Geburt oder die Olympischen Spiele treffen.

 

Und jaaa...die Sehnsucht nach Hause war da! Babys lassen sich schließlich nicht viel Zeit in Sachen größer werden.

Auch nach der Geburt ging es gleich weiter mit Trainingslagern und Wettkämpfen zur Olympiaqualifikation. Von den ersten schlaflosen Nächten mit Babygeschrei bekam ich somit nur sehr wenig mit, da ich nach wie vor viel unterwegs war. Einerseits habe ich die nächtliche Ruhe in Hotelzimmern natürlich genossen, aber andererseits fand ich es auch sehr schade, einen Teil dieser Zeit verpasst zu haben. Die Zeit, in der das eigene Kind noch ein „Baby“ ist, vergeht schließlich sehr schnell.

 

Nichtsdestotrotz wurde meine "Abstinenz" belohnt

Sportlich gesehen haben sich die familiären Entbehrungen jedoch gelohnt. Wenige Wochen nach der Geburt konnte ich mir bei der Weltmeisterschaft in Spanien endlich mein Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio sichern. Ich war sehr glücklich darüber, mich nach 2012 und 2016 zum dritten Mal für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, wusste aber auch, dass damit die anstrengende Reisezeit noch lange nicht vorbei war. Leni und ich waren uns einig, dass es in den ersten Wochen sowohl für uns als auch für den kleinen Niklas zu viel Stress gewesen wäre, mit zu meinen Wettkämpfen in Spanien oder Japan zu kommen. Somit war meine Familie die ersten Wochen zuhause, während ich zu Wettkämpfen und Trainingslagern gereist bin. Ich war sehr froh über diese Lösung, denn ohne eine so fürsorgliche Mutter wie sie Leni ist, hätte ich nicht ohne weiteres so viel und oft verreisen können. Zudem konnten wir uns glücklicherweise immer auf die Unterstützung unserer Familien verlassen, was die Situation nach wie vor extrem erleichtert.

Auch mit allen neuen technischen Möglichkeiten der Kommunikation ist es doch sehr schade, wenn man sein wenige Wochen altes Kind nur auf Fotos und Videos anschauen kann, während man selbst in einem anderen Land oder sogar einem anderen Kontinent im Trainingslager ist.

Immerhin hat es anfangs scheinbar nur mir etwas ausgemacht, für mehrere Tage oder Wochen in ein Trainingslager zu verreisen. Bis der kleine Niklas die ersten Reaktionen zeigte, vergingen viele Wochen.

Vom Bayerischen Wald bis nach Australien

Nach einem 3-wöchigen Trainingslager Ende Oktober war es dann endlich so weit, unser erster gemeinsamer Urlaub im bayerischen Wald stand bevor. Als Kanute bin ich es gewohnt, bei Reisen viel Gepäck dabei zu haben, da das Sportequipment einiges an Platz beansprucht. Umso mehr war ich überrascht wie viel Gepäck wir für unseren kleinen Passagier eingepackt hatten, als das Auto für unseren Aufenthalt beladen war. Der Urlaub war zudem auch ein Test, bei dem wir herausfinden konnten, wie reiselustig unser kleiner Niklas ist. Wir waren sehr erleichtert, dass ihm weder die Autofahrt noch die vorübergehend neue Umgebung im Urlaub etwas ausmachten.

Nach diesen Erfahrungen im Bayerischen Wald entschlossen wir uns dazu, dass mir Leni und Niklas Ende Februar in das Trainingslager in Australien nachreisen sollten.

Erster Härtetest: Trainingsphase mit Baby

Während ich im Urlaub die Zeit mit Baby sehr genießen konnte, waren in der anschließenden Trainingsphase die verkürzten Nächte und die zum Teil fehlenden Tiefschlafphasen sehr anstrengend und brachten mich an meine physischen Grenzen. Obwohl der Winter größtenteils wettkampffrei ist, wird in dieser Zeit der größte Trainingsumfang absolviert. Auch ohne ein schreiendes Kind im Schlafzimmer ist diese Trainingsphase sehr anstrengend, somit hatte ich nachts öfters „Fluchtgedanken“ auf die Couch im Wohnzimmer. Nach einigen Wochen hartem Training und wenig Schlaf war die Erschöpfung dann tatsächlich so groß, dass ich einzelne Nächte auf die Couch ausweichen musste. Obwohl Leni dafür stets Verständnis hatte, ist es mir schwer gefallen die kostbaren Nächte zuhause in einem anderen Zimmer zu schlafen.

Ende Januar 2020 sollte für mich der Reisemarathon bis zu den Olympischen Spielen im Juli beginnen. Bei dem ersten 6-wöchigen Trainingslager in Australien haben Leni und ich uns darauf geeinigt, dass es am sinnvollsten wäre, wenn Leni und Niklas mir nach drei Wochen nach Australien folgen würden. Glücklicherweise ist Leni abenteuerlustig genug, um allein mit einem 6 Monate alten Baby um die ganze Welt zu fliegen.

Am Flughafen in Sydney haben wir uns dann das erste Mal seit 3 Wochen wiedergesehen. Es war wunderschön, im Trainingslager meine kleine Familie mit dabei zu haben und so die Entwicklungsschritte weiterhin hautnah mitzuerleben. Als Leni und Niklas zu mir nach Australien kamen, hat Niklas zum Beispiel erstmals Brei und Ziegenmilch bekommen. Auch motorisch entwickelte sich Niklas ab diesem Zeitpunkt sehr schnell weiter.

 

Während ich trainieren war, haben Leni und Niklas entweder im Schatten an der Strecke auf mich gewartet oder haben Ausflüge nach Sydney unternommen. An den wenigen trainingsfreien Tagen haben wir dann gemeinsam Ausflüge an den Strand oder Wanderungen im Wald gemacht, die allerdings angesichts der sehr hohen Temperaturen in Sydney eher vor kurzer Dauer waren.

Und dann kam Corona und machte einfach alles schöner..

Nach unserer Rückkehr Mitte März hat sich mein Athletenalltag allerdings stark verändert. Aufgrund der Coronapandemie sollte das Trainingslager in Australien für viele Monate das letzte gewesen sein. Nach und nach wurden fast alle Trainingslager und Wettkämpfe der Saison 2020 verschoben oder abgesagt.


Auch wenn ich sehr unglücklich über die Verschiebung der Olympischen Spiele war, so kam es mir in Punkto Familienleben sehr entgegen.


Zum ersten Mal seit der Schulzeit war ich mehrere Wochen zuhause und konnte jeden Tag mit meiner Familie verbringen. Der kleine Niklas hat die in dieser Zeit die Entwicklung vom Robben bis zum Laufen durchlebt und viele weitere Dinge gelernt. Als ich im Juli erstmals seit über drei Monaten für ein paar Tage zum Training verreiste, konnte der kleine Mann schon zum Abschied winken.

Es ist atemberaubend, in welcher Geschwindigkeit die sichtbaren Entwicklungsschritte nun stattfanden. So konnte er z.B. nach dem besagten Trainingslager auf einmal laufen, ohne mit den Armen zu balancieren. Wenige Tage später konnte er dann sogar schon rückwärtslaufen. Mittlerweile kann der kleine Mann schon winken und „Tschüss“ (oder zumindest so etwas ähnlich Lautendes) sagen.

Der erste Geburtstag war ein gelungener Abschluss von einem wunderschönen ersten Lebensjahr. Ich bin froh, dass ich an diesem Lebensabschnitt doch noch so viel teilhaben konnte und freue mich auf die Zeit mit dem kleinen Niklas, die uns noch bevorsteht.

Von Herzen, eurer Hannes

 


 

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