Saskia| Ihre vier Söhne zwischen 6 Monaten und 12 Jahren

Vierfaches Stillglück? Von wegen!

Oder: wie ich meine vier Jungs "stillen" lernte

 

Saskia erzählt uns nicht nur eine Geschichte, nein, sie erzählt uns gleich vier. Und glaubt uns, keine gleicht der anderen

 

Für mich war schon immer klar, meine Kinder werden mal gestillt. Stillen ist super praktisch. Die Muttermilch ist immer dabei, immer richtig temperiert, einfach genial

 

Tja da hatte ich die Rechnung wohl ohne meinen ersten Sohn gemacht. Ich war 23 als ich zum ersten Mal Mutter wurde und dachte, das wird schon alles laufen. Ich war in einem Geburtsvobereitungskurs, hatte eine Hebamme für die Nachsorge, was sollte schon passieren. Die Geburt ging einfach nicht los, mittlerweile war ich eine Woche drüber und plötzlich hieß es Kaiserschnitt. Mein Sohn, Fynn war einfach riesig, er war 60 cm groß und wog knapp 4700 Gramm und genau da lag das Problem.

Ich wollt doch nur dass er satt ist...

Ich habe ihn ständig angelegt aber mit jeder Stunde, die verging war er hungriger, er hat nur noch geschrien und ich war einfach hilflos. Keine Ahnung, ich wollte einfach nur, dass er satt und glücklich ist. Die Hebamme im Krankenhaus war mir leider überhaupt keine Hilfe. Sie setzte mich immer mehr unter Druck und riet mir abzustillen und dem Kleinen Flasche zu geben.

Niemand, wirklich niemand hat mir gesagt...

...dass man auch zuerst mal zufüttern könnte und trotzdem weiterstillt. So habe ich mich dann nach einem weiteren Tag schweren Herzens dazu entschieden abzustillen, alles zum Wohle meines Kindes und dennoch fühlte ich mich wie eine Versagerin. Ich bekam eine Tablette und alles war vorbei. Ich konnte mein Kind nicht ernähren, das konnten doch alle, wieso, es war doch immer alles so klar gewesen.

Aus dem Krankenhaus zu Hause war es dann meine Nachsorgehebamme, die mir bei jedem Besuch ein schlechtes Gewissen machte, wie “unfähig“ ich doch sei. Stillen kann doch jeder, man muss es nur wollen. Ich glaube sie kam dann nur noch ein oder zweimal, bis ich für mich entschieden habe, dass es ohne sie besser funktionierte.

Wer hätte es gedacht

Und siehe da, mein Sohn wurde tatsächlich auch ohne Muttermilch groß. Ihm hat es an nichts gefehlt und soll ich euch was verraten, er ist das meiner Kinder, dass am wenigsten krankt ist. Ich glaube während der ganzen Grundschulzeit hatte er nur 5 Fehltage und das auch nur weil er Windpocken hatte. Es geht also auch ohne.

Zweites Kind, zweites Glück

Diesmal wird es mit dem Stillen bestimmt klappen. Okay, diesmal habe ich mir im Vorfeld eigentlich keine so großen Gedanken gemacht und einfach alles auf mich zukommen lassen und das war für mich genau der richtige, stressfreie Weg, ganz ohne Druck.

Auch mein zweiter Sohn, Ben, war ein Kaiserschnitt. Da er knapp 4 Wochen zu früh geholt werden musste und es in meinem Krankenhaus keine Neonatologie gab, kam er aus dem Kreissaal direkt in die Transportbox und weg war er, in einem anderen Krankenhaus. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Wie soll das denn jetzt gehen, ich wollte doch Stillen.

Ich wollte nicht stillen, ich würde stillen!

Und so habe ich mir eine Milchpumpe aufs Zimmer bringen lassen und habe jede Stunde abgepumpt. Da lag ich nun frisch gebackene zweifache Mama, ohne Baby und an der Milchpumpe. Ich muss ehrlich sagen es war schon etwas komisch, aber ich hatte ein Ziel vor Augen und nur das zählte. Am zweiten Tag hatte ich schon deutlich mehr Vormilch in den Behältern, ich war so stolz, dass das Abpumpen klappte und konnte es kaum erwarten meine Kleinen endlich zu sehen. Nach langen 48 Stunden waren wir wieder vereint und ich konnte ihn das erste Mal Stillen. Für mich war das so ein magischer Moment, trotz der Widrigkeiten hatte es auf Anhieb geklappt. Ich war so dankbar. Dankbar, dass ich ihn in den Armen halten konnte und dankbar, dass ich ihn Stillen konnte.

Schon vor dem Anlegen war ich angespannt und habe immer die Luft angehalten, wenn er dann dran war wurde es besser und das A und O in dieser Zeit war die Pflege der Brustwarzen. So ging auch das Vorüber und wir hatten eine wunderschöne Stillzeit, bis er mit knapp 5 Monaten einfach nicht mehr wollte. Immer wenn ich ihm die Brust angeboten habe, hat er sich weggedreht. Für mich war das ein Zeichen, dass er nicht mehr wollte. Er hat sich quasi selbst abgestillt.

Er ist an den Weihnachtsfeiertagen geboren und so hatten wir nach der Geburt viel Ruhe und Zeit für uns. Die Hebammen im Krankenhaus haben mich machen lassen und wir hatten einen wunderschönen Stillstart. Diesmal klappte alles auf  Anhieb. Nach jedem Anlegen cremte ich meine Brustwarzen sorgfältig ein und so blieben mir auch die entzündeten Brustwarzen erspart. Alle meine Freunde bekommen seither kurz vor der Geburt eine kleine Brustwarzensalbe von mir geschenkt und das möchte ich auch euch als Tipp mitgeben, die Brustwarzen cremen, cremen, cremen nach jedem Anlegen, jedenfalls die ersten zwei Wochen.

Es war eine wunderschöne Stillzeit.

Ich hatte in der ganzen Zeit kein einziges Mal Probleme mit der Brust und es war eine wirklich lange Stillzeit. Knapp zwei Jahre habe ich Luca gestillt.

Ich weiß nicht mehr genau wann, aber die Hautärztin meiner Großen riet mir, Luca solange wie möglich zu stillen, mindestens bis zu seinem 2. Geburtstag, denn um diesen Zeitpunkt herum kommt nochmal etwas in die Muttermilch, was Luca helfen könnte, dass er nicht so schlimm Neurodermitis bekommt wie seine großen Brüder.

Sie hat Recht behalten. Anfangs hatte er immer eine kleine Stelle an der die Neurodermitis immer wieder ausbrach, heute mit sechs Jahren hat er keinerlei Probleme damit. Nicht nur dass ihm das lange Stillen geholfen hat, es war auch für uns eine wirklich schöne Zeit. Zu sehen, wie einfach und zufrieden er in den Schlaf fand und wieviel Geborgenheit ihm das Stillen gab, das war einfach wunderschön.

Von Außerhalb gab es verschiedene Meinungen, viele fanden es komisch einen “so“ großen Jungen noch zu stillen. Mir war das egal, ich habe mein Ding durchgezogen, denn hier ging es nur um meinen Sohn und um mich. Wem es nicht gepasst hat, der sollte eben wegschauen. Nicht umsonst gibt es von der WHO eine Stillempfehlung bis zum zweiten Lebensjahr und ja, das gilt nicht nur für Länder der dritten Welt, sondern auch für unsere Kinder.

Alle guten Dinge sind...4

Vor etwas mehr als sechs Monaten bin ich zum vierten Mal Mama geworden, wieder ein Junge, Mats, wieder ein Kaiserschnitt. Noch auf dem OP-Tisch habe ich ihn das erste Mal angelegt. Es war einfach perfekt und es war wirklich der Moment, auf den ich mich während der ganzen Schwangerschaft am meisten gefreut hatte. Die Geräusche, die die Kleinen machen, wenn sie an der Brust trinken, das Suchen im Vorfeld, wie zufrieden sie einfach sind, für mich ist das “Magie“, pur.

Das Stillen hat auf Anhieb funktioniert und das beste war, dass ich schon einen Tag nach der Geburt Milcheinschuss hatte und Mats einfach satt wurde. Was will man mehr.

Sechs Monate habe ich ihn voll gestillt und jetzt haben wir mit der Beikost gestartet. Aktuell wird er trotzdem noch mindestens vier Mal am Tag gestillt, meistens eher mehr. Da er keinen Schnuller akzeptiert stille ich Nachts fast durch. Der fehlende Schnuller war anfangs eine wirkliche Herausforderung für mich beziehungsweise für uns. Es gab Tage, an denen ich drei oder vier Stunden Dauergestillt habe, vor allem im Sommer kam das immer wieder vor. Ich war quasi an meinen Stillsessel gefesselt, dort verbrachte ich den Großteil meines Tages und das machte mir echt zu schaffen. Ich kam zu nichts mehr, meistens aß ich sogar in meinem Stillsessel. Ich konnte Mats nicht mal eben Ablegen und ihm den Schnuller geben, nein ich war und bin sein Schnuller. Meine Hebamme wollte, dass er nur an der Brust trinkt und nicht nuckelt, das konnte ich aber so nicht umsetzen. Babys haben doch ein Nuckelbedürfniss und das muss gestillt werden. Also habe ich es gestillt. Mein Mann hätte mir gerne geholfen, aber auch er konnte nichts tun. Er musste hilflos daneben stehen. Seit ein paar Wochen klappt das nun auch besser. Tagsüber nuckelt er nur noch zum Einschlafen und Nachts habe ich eine ganz gute Position gefunden, in der auch ich mal ein paar Stunden Schlafen kann. Wo uns, unsere Stillreise noch hinführen wird, das weiß ich nicht, das wird man sehen…

 

Vier Kinder, vier Geschichten und keine gleicht der Anderen. So ist das eben mit dem Stillen

Es gibt keinen Garant dafür. Was ich aber gelernt habe ist, das Stillen viel Ruhe und Zeit erfordert, man aber im Gegenzug mit ganz viel Liebe und Geborgenheit belohnt wird.

Man darf sich nicht zu sehr unter Druck setzen, den Druck spürt auch dein Baby und dann klappt es sicher nicht und wenn es nicht klappt dann sollte es eben nicht sein. Ob gestillt oder nicht , groß und frech werden sie alle.

Von Herzen, eure Saskia

 


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