Wochenbett – Nostalgie oder Notwendigkeit?

Wie ihr die erste Zeit gemeinsam meistert

Das Wochenbett ist für Mutter und Kind eine sehr intensive und zugleich sehr intime Zeit. Der mütterliche Körper erholt sich auf allen Ebenen von der strapaziösen Geburt (Blutverlust wird ausgeglichen, Gebärmutter bildet sich zurück, Hormonhaushalt reguliert sich, Wassereinlagerungen werden resorbiert) und das Neugeborene lernt die Welt kennen mit allen seinen positiven und negativen Seiten. Die Liebe und Zuwendung der Eltern und das innige, gerne auch Haut-auf-Haut Kuscheln (Bonding) mit Mama und/oder Papa geben eurem Kind ein sehr wohliges und tief verwurzeltes Gefühl. Die Bindung und das Urvertrauen werden dadurch unheimlich gestärkt.

Jeder Tag muss erst einmal verarbeitet werden

Euer Kind muss sehr viele Dinge neu lernen, wie die anstrengende Nahrungsaufnahme und auch das oftmals zu Beginn mühsame Verdauen und Ausscheiden. Das Baby lernt viele neue Gefühle und Bedürfnisse kennen, wie Hunger, Müdigkeit, Bauchschmerzen und vieles mehr, natürlich wollen alle diese Erlebnisse verarbeitet werden. Das gelingt eurem neuen Erdenbürger am leichtesten mit viel Körperkontakt, ruhiger Atmosphäre und möglichst wenig Aufregung rundherum. Geräusche, Gerüche und Eindrücke prasseln auf euer Kind ein und werden häufig in einer abendlichen „Erzählstunde“ verarbeitet. Es ist gut möglich, dass euer Baby den Tag durch Weinen Revue passieren lässt.

Mein Tipp an euch:

Nehmt euch Zeit für's Wochenbett

Liebe Mamas, ihr müsst euch natürlich nicht in den eigenen Vierwänden verbarrikadieren oder gar verstecken, aber ich plädiere sehr an eure Intuition und euer Gefühl für euch als Mutter und für euer Kind.

In meinen Augen ist das Wochenbett tatsächlich wichtiger denn je. Ich kann die frisch gebackenen Eltern verstehen, die voller Stolz ihren Nachwuchs der Welt präsentieren wollen und ich weiß selbst, wie aufregend und beglückend der erste Spaziergang ist. Dennoch sage ich euch als Mutter und Hebamme, ihr habt ZEIT und ich bitte euch aus ganzem Herzen nehmt euch diese Zeit. Es müssen nicht acht Wochen im heimischen Exil sein. Es spricht überhaupt nichts gegen einen ersten kurzen Spaziergang am 7. oder 8. Lebenstag, jedoch ein mehrstündiger Bummel durch stickige Shoppingmalls mit akrobatischen Stillaktionen in einer Damenumkleide entsprechen in keiner Weise dem Gedanken des Wochenbetts. Erfahrene Kolleginnen predigen:

„Eine Woche IM Bett, eine Woche AM Bett und eine Woche UM‘S Bett herum.“

So streng würde ich es nicht nehmen, situationsbedingt z.B. durch Geschwisterkinder oftmals auch nicht umsetzbar. ABER, liebe Mamas, pocht so gut es eben geht auf euer Wochenbett. Lasst´ euch verwöhnen, bittet die Familie euch mit nahrhaften Speisen (z.B. kräftigende Hühnerbrühe) zu versorgen und nehmt Unterstützung jeglicher Form an (Wäsche, Haushalt, etc.) Diese privilegierte Wochenbettzeit ist durch unser sehr schnelllebiges Zeitalter von großer Bedeutung und schlicht eine herrlich entschleunigende Kennen und Lieben Lernzeit für Mutter und Kind.

 

Hier schreibt Lucia für Euch. Hebamme und Mama aus Leidenschaft.

Ich möchte euch sehr an’s Herz legen, zelebriert und genießt euer Kindsbett und macht eure ersten Schritte in das Abenteuer Familie behutsam und bestärkt, gelassen und selbstsicher. Euer gemeinsamer Weg hat gerade eben erst begonnen.

Herzlichst eure,

Lucia

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