Stillen nach einem Kaiserschnitt

Die Geburt durch einen Kaiserschnitt (Sectio caesarea) ist kein Hindernis für ein erfolgreiches Stillen. Bei einem geplanten Kaiserschnitt kannst du deinen Stillwunsch zuvor deutlich aussprechen. Aber auch bei einem ungeplanten Kaiserschnitt gibt es dazu meist noch ausreichend Zeit. Das geburtshilfliche Team sorgt dann dafür, dass du dein Baby nach der Operation so schnell wie möglich in die Arme schließen kannst, um das wichtige Sectio-Bonding noch im OP zu ermöglichen.

Das kannst du tun, um für einen guten Stillstart zu sorgen

Lege dein Kleines dazu Haut-an-Haut auf deinen nackten Oberkörper, sodass es deine Körperwärme spürt, deinen Herzschlag hört und den vertrauten Mama-Geruch aufnehmen kann. Es wird instinktiv nach deiner Brust suchen, um zum ersten Mal zu trinken, das nennt man „breast crawl“. Vermutlich lösen der fruchtwasserähnliche Geruch der Mamille (Brustwarze) und der Temperaturunterschied[1] zwischen den Lippen des Babys und der Brustwarze diesen überlebenswichtigen Reflex aus[2]

Je nach Art der Narkose kann sich der Stillbeginn nach einem Kaiserschnitt in manchen Fällen aber doch einmal verzögern, weil Mutter und Kind noch schläfrig oder manchmal auch gestresst und erschöpft sind. Setze dich und dein Kleines nicht unter Druck, wenn das Anlegen nicht sofort funktioniert. Ihr habt in den nächsten Tagen sehr viel Zeit, das Stillen gemeinsam und aufmerksam begleitet von deiner Hebamme oder einer Stillberaterin zu erlernen. Lies hierzu auch gerne unseren Ratgeber "Richtig anlegen beim Stillen".

Stille dein Baby, wenn möglich, innerhalb der ersten Stunde

Voraussetzung für einen guten Stillstart ist das frühe erste Saugen deines Babys an deiner Brust. Wie bei einer natürlichen Geburt auch, solltest du dein Kind deshalb innerhalb der ersten Stunde anlegen, am besten, sobald es erste Mundbewegungen macht.

Sorge für eine gesunde Darmbesiedlung

Dennoch lässt sich eine mögliche Verzögerung der Milchbildung nach einem Kaiserschnitt nie ganz vermeiden. Verliert dein Baby mehr als 10 Prozent seines Geburtsgewichts, wird es in der Regel vorübergehend mit industrieller Säuglingsnahrung zugefüttert. Da Kaiserschnittkinder im Vergleich zu vaginal geborenen Kindern häufiger eine gestörte und verzögerte Darmbesiedelung mit den „guten“ Keimen haben, kannst du Babys Darm dann mit der Wahl einer geeigneten Säuglingsmilch sinnvoll unterstützen. Studien lassen vermuten, dass besonders bei nicht gestillten, per Kaiserschnitt geborenen Kindern Säuglingsmilchen mit Probiotika den Start der richtigen Darmbesiedelung mit Bifidobakterien anschieben[1]. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, warum Mikroorganismen für Babys Gesundheit wichtig sind, lies‘ in unserem Ratgeber "Wie Babys eine gesunde Darmflora entwickeln" weiter.

Stillpositionen nach Kaiserschnitt

Nach einer Sectio ist das Stillen im Liegen angenehm, und zwar vor allem in Seitenlage. Dazu drehst du dich leicht auf die Seite, so dass du Bauch an Bauch mit deinem Baby liegst. Dein Rücken ist dabei mit einem (Still-)Kissen oder der gerollten Bettdecke abgestützt, dein Kopf liegt bequem auf einem dickeren Kissen. Stabilisiere dein Kind mit der Hand oder mit Hilfe einer Windelrolle im Rücken, damit es nicht nach hinten „wegrollt“.

Eine andere gute Position ist der „Rückengriff“, mit dem deine empfindliche Operationsnarbe außerhalb der „Strampelzone“ liegt und gut geschützt ist. Du sitzt leicht aufgerichtet im Bett, dein Rücken und deine Beine sind gut abgestützt. Dein Baby liegt neben dir auf einem Kissen, mit seinen Beinchen nach oben, den Mund vor der Mamille (Brustwarze), so dass sein Gesicht der Brust zugewandt ist und es den Kopf nicht drehen muss. Ganz wichtig dabei: nimm‘ dein Kind zur Brust und nicht die Brust zum Kind!

Stillverträgliche Medikamente

Die meisten während eines Kaiserschnitts eingesetzten Medikamente sind heute stillverträglich. Das gilt auch für Schmerzmittel, auf die du bei Bedarf keinesfalls verzichten musst. Im Gegenteil - starke Schmerzen könnten deinen Milchspendereflex sogar vorübergehend unterdrücken. Stille dein Baby trotzdem am besten vor der Medikamenteneinnahme, damit es nur eine möglichst geringe Menge des Wirkstoffs aufnimmt.

Eine gute Hilfe: Die Milchpumpe

Wenn du nicht bei deinem Kind sein kannst, z.B. weil es zu früh geboren wurde oder in einer Kinderklinik betreut werden muss, lasse dich so bald wie möglich zu ihm bringen. Beginne so früh wie möglich mit dem Abpumpen der Muttermilch, damit die Milchbildung in Gang kommt. Denn deine Milch ist für dein Baby in dieser Trennungsphase sehr wichtig. Deine Hebamme ist dir auch beim ersten Abpumpen behilflich und erklärt dir, worauf du dabei achten solltest.

TIPP

Nähe, Körper- und Hautkontakt können dir und deinem Baby helfen, das Erlebnis der Schnittentbindung zu verarbeiten und zueinander zu finden. Lass‘ dir beim Anlegen so lange helfen, bis du dich sicher fühlst. Probiere aus, welche Stillpositionen für dich möglichst schonend und am bequemsten sind. Wenn du nach der Entlassung aus der Klinik noch Unterstützung benötigst, kannst du dir auch eine Milchpumpe ausleihen.

Wichtig: Entlastung schaffen

Gönne dir nach der Entlassung aus der Klinik unbedingt noch viel Ruhe und Zeit mit deinem Kind. Du musst dich von einer großen Operation erholen und solltest Entlastung im Haushalt haben. Falls dich niemand aus der Familie oder aus dem Freundeskreis versorgen kann, rufe bei deiner Krankenkasse an und stelle dort einen Antrag auf eine Haushaltshilfe. Dazu benötigst du ein Attest von deinem Arzt, in dem er die Notwendigkeit einer Haushaltshilfe aufgrund des Kaiserschnitts empfiehlt. Ob und wie lange die Kasse eine Haushaltshilfe genehmig, hängt davon ab, ob du noch weitere Kinder hast, dein Partner mit dir zusammen in einer Wohnung lebt und in welchem Umfang er berufstätig ist.

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Informationen zum Nachlesen für dich.

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Töpfer unterstützt den WHO Kodex:

Stillen ist das Beste für dein Baby, denn Muttermilch versorgt dein Baby mit allen wichtigen Nährstoffen. Darüber hinaus ist Stillen die preiswerteste Art der Ernährung, ein guter Schutz vor Infektionen sowie Allergien und fördert die Mutter-Kind-Beziehung. Töpfer befürwortet das Stillen nach den Empfehlungen der WHO uneingeschränkt. Lies hier mehr

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[1] Vincenzo Zanardo, Breast crawl: the attractive warmth of the mammary areola, Acta Paediatrica, 10.1111/apa.14427, 107, 10, (1673-1674), (2018).

Wiley Online Library

[2] Timing of initiation, patterns of breastfeeding, and infant survival: prospective analysis of pooled data from three randomised trials NEOVITA study group. The Lancet Global Health, Vol. 4/ Issue 4, e266 - e275. doi: 10.1016/S2214-109X (16)00040-1

[3] Chua MC, Ben-Amor K, Lay C, Neo AGE, Chiang WC, Rao R, Chew C, Chaithongwongwatthana S, Khemapech N, Knol J, Chongsrisawat V. Effect of Synbiotic on the Gut Microbiota of Cesarean Delivered Infants: A Randomized, Double-blind, Multicenter Study. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2017 Jul;65(1):102-106. doi: 10.1097/MPG.0000000000001623. PMID: 28644357